Die Konjunktur zieht an, und der Jobmarkt stabilisiert sich - einen wirklichen Boom erlebt aber nur die Leiharbeit: Laut Bundesagentur für Arbeit ist im Juni jedes dritte Jobangebot in der Zeitarbeitsbranche ausgeschrieben worden. IG Metall und Linkspartei nennen die Tendenz alarmierend.
Die Liberalen stecken in der Krise, in Umfragen ist Merkels Koalitionspartner abgestürzt. Um den Ruf einer Partei der sozialen Kälte abzulegen, will die FDP nun die Bedingungen für Leiharbeiter verbessern. Dafür gibt es Lob von der IG Metall.
Überraschender Vorstoß der Liberalen: Mehrere FDP-Politiker fordern, dass Leiharbeiter in Betrieben finanziell nicht mehr benachteiligt werden - und kommen damit einer zentralen Forderung der Union entgegen. Beim Thema Mindestlohn bleiben sie jedoch hart.
Immer mehr Leiharbeiter, immer mehr Verstöße gegen Vorschriften: Die Zahl der Bußgeldverfahren gegen Zeitarbeitsfirmen hat sich zwischen 2005 und 2008 mehr als vervierfacht. Vor allem die geltenden Tarifverträge werden offenbar missachtet.
Die Leiharbeitsbranche kämpft um ihr Image - und erleidet doch immer wieder Rückschläge: Laut einer Studie ermöglicht die Zeitarbeit nur wenigen Erwerbslosen den Übergang in einen regulären Job. Trotzdem halten die Forscher diese Art der Beschäftigung für wichtig.
Der Streit um Dumpinglöhne zwischen Schlecker und der Gewerkschaft Ver.di ist beendet: Alle 34.000 Beschäftigten der Drogeriemarktkette werden künftig nach dem Einzelhandelstarif Baden-Württemberg bezahlt. Auch die umstrittene Leiharbeit soll stark eingeschränkt werden.
Bei Schlecker wurden Beschäftigte entlassen und als billige Zeitarbeitskräfte wieder eingestellt. Diese Art der Lohndrückerei will Ursula von der Leyen nun per Gesetz verbieten. Sie werde den Austausch von Stammbelegschaften durch Leiharbeiter “nicht mehr tolerieren”.
Arbeitsministerin von der Leyen kündigt gesetztliche Schritte gegen Lohndumping an. Vor allem Missbrauch von Zeitarbeit wolle sie nicht länger dulden - und verweist auf den Fall Schlecker.
Wegen ihrer geringen Entlohnung sind immer mehr Beschäftigte auf staatliche Hilfe angewiesen. Vor allem in der Leiharbeitsbranche, in der Gastronomie und bei Dienstleistern ist das Aufstocken von Löhnen verbreitet. Die Kosten für diese Form der Lohnsubvention liegen bei fast elf Milliarden Euro.
Die Krise hat die Zeitarbeit heftig getroffen. Inzwischen tragen Jobs für Leiharbeiter dazu bei, den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Gewerkschaften fürchten, dass mit einem neuen Boom das Beispiel Schleckers Schule macht: Die Drogeriekette ersetzte Stammpersonal durch entliehene Billiglohn-Arbeiter.
Der Mittelstandsflügel der Union will die Daumenschrauben bei Hartz-IV-Empfängern anziehen. Demnach sollen Langzeitarbeitslose zu Einsätzen in Zeitarbeitsfirmen gezwungen werden - und sich dort weiterbilden. Auch das Bundesverfassungsgericht hat sich noch einmal in die Hartz-IV-Debatte eingeschaltet.
Jeder zehnte Arbeitnehmer hat einen Vertrag über Zeitarbeit. Vor allem immer mehr Frauen arbeiten zeitlich befristet. Doch wie steht es um die Rechte der Arbeitnehmer? Gibt es einen Kündigungsschutz, eine Probezeit, was ist im Falle einer Schwangerschaft? WELT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.
Hartes Durchgreifen bei der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs: Das Catering-Unternehmen hat mehrere Mitarbeiter entlassen, weil diese Privatgespräche über das Diensthandy geführt hatten. Es soll dabei um Kleinbeträge von 10 bis 15 Euro pro Monat gegangen sein. Die ehemals Festangestellten werden nun durch Leiharbeiter ersetzt.
Hartes Durchgreifen bei der Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs: Das Catering-Unternehmen hat mehrere Mitarbeiter entlassen, weil diese Privatgespräche über das Diensthandy geführt hatten. Es soll dabei um Kleinbeträge von 10 bis 15 Euro pro Monat gegangen sein. Die ehemals Festangestellten werden nun durch Leiharbeiter ersetzt.
Private Gespräche am Diensthandy haben 16 Angestellte des Lufthansa-Ablegers Sky Chefs den Job gekostet. Dabei soll es sich in den meisten Fällen um Bagatellbeträge gehandelt haben - die Geschassten werden durch Leiharbeiter ersetzt.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert den Regierungsbericht zur Leiharbeit: Die schwarz-gelbe Bundesregierung blende darin Fakten aus. Der DGB verweist auf Studien. Darin wird Leiharbeitern ein höheres Unfall-Risiko bescheinigt. Und viele Leiharbeiter werden nach solchen Jobs erneut arbeitslos.
Ursula von der Leyen (CDU) hat Gewerkschaften und Arbeitgeber aufgefordert, Missbrauch bei der Leiharbeit zu verhindern. Ansonsten werde sie dazu ein Gesetz auf den Weg bringen. Auch der Chef der Arbeitsagentur warnte, zu viele befristete Arbeitsverhältnisse seien auf Dauer “verheerend” für die Gesellschaft.
Es ist eine Botschaft an die Schleckers dieser Welt: Arbeitsministerin von der Leyen hat im SPIEGEL Gewerkschaften und Arbeitgeber aufgefordert, den Missbrauch bei der Leiharbeit zu bekämpfen. Auch neue Mindestlöhne könnten helfen. An anderen Plänen aus ihrem Haus gibt es Kritik.
In der Opposition bricht die SPD mit ihren eigenen Hartz-IV-Beschlüssen. So soll das Arbeitslosengeld I künftig bis zu 24 Monate gezahlt und Vermögen künftig nicht mehr auf Hartz IV angerechnet werden. Die Partei will die Zeitarbeit stärker regulieren und 200.000 sozialversicherungspflichtige Jobs schaffen.
Der Einigung in der Zeitarbeitsbranche ist perfekt: Die Entgelte werden bis 2012 viermal erhöht, der Mindestlohn wird auf 7,50 Euro angehoben. Eine Anti-Dumping-Klausel regelt zudem, dass Angestellte nicht mehr gefeuert und später als Leiharbeiter wieder angestellt werden dürfen.