Eine Delegation pakistanischer Politiker sollte in den USA den neuen Geist der vertieften Partnerschaft beider Länder kennenlernen - doch die Reise nach Washington wurde zum Fiasko. Die Gäste sollten am Flughafen körpergescannt werden. Sie verweigerten sich empört. Und werden nun als Helden gefeiert.
Zum ersten Mal durfte in Großbritannien eine Passagierin nicht ins Flugzeug, weil sie die Ganzkörperkontrolle verweigerte. Die Muslimin lehnte das Nacktscanning aus religiösen und medizinischen Gründen ab. Daraufhin verweigerten ihr die Sicherheitsbehörden den Flug nach Pakistan.
Avi Icar baut Bomben - zu Testzwecken. Er ist kein Terrorist, sondern berät Geheimdienste und Regierungen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Sprengstoffexperte über die Methoden der Attentäter, Nacktscanner und die Unmöglichkeit, Anschläge zu verhindern.
Die USA wollen mindestens 450 neue, umstrittene Nacktscanner an den Flughäfen aufstellen. Davon profitieren zwei Firmen, die die Maschinen exklusiv bauen - und sich achtstellige Umsatzzahlen erhoffen.
Nach dem Warnschuss von Detroit streitet die EU über den Sinn von Körperscannern. Skepsis ist begründet: Terroristen mit Bomben im Körper lassen sich nur durch andere Methoden stoppen.
Ob Körperscanner auf deutschen Flughäfen eingeführt werden, ist noch ungewiss. Die Mehrheit der Deutschen hätte nach einer FOCUS-Umfrage kein Problem damit.
Kein schneller Einsatz: Innenminister de Maizière will erst Mitte 2010 darüber entscheiden, ob es an deutschen Flughäfen Nacktscanner geben wird. Zugleich fordern Politiker eine bessere Qualifizierung und Bezahlung des Sicherheitspersonals an den Airports.
Die Piraten planen einen Flashmob gegen Nacktscanner. Die Partei will gegen die Verletzung der Intimsphäre und Persönlichkeitsrechte durch die neue Technologie protestieren - und dafür bundesweit an deutschen Flughäfen die Hüllen fallen lassen.
Nach FOCUS-Informationen will das Bundesinnenministerium Körperscanner schon ab dem Sommer an deutschen Großflughäfen testen. Die Persönlichkeitsrechte der Passagiere sollen dabei aber vollständig bewahrt werden.
Das in Detroit vereitelte Attentat lässt die Nachfrage nach Körperscannern in die Höhe schnellen - es winkt ein Milliarden-Geschäft. Der Flughafen Amsterdam testet Geräte, die Gegenstände am Körper erkennen, das Leibnitz-Institut entwickelt einen Chip, der Strahlen ausschickt und so Verstecktes sichtbar macht.
Umar Farouk Abdul Mutallab scheiterte. Sein Sprengsatz explodierte nicht, der ersehnte Märtyrertod blieb dem nigerianischen Bankierssohn am Weihnachtstag 2009 verwehrt. Dennoch feiert ihn al-Qaida. Denn die Terroristen errangen einen Sieg in ihrem Heiligen Krieg, der nicht nur mit Bomben, Raketen und Kalaschnikows geführt wird.
Laut einer Forsa-Umfrage stehen die Bundesbürger dem Einsatz von Nacktscannern an Flughäfen positiv gegenüber. Über 60 Prozent befürworten die neue Kontrolltechnik.
Im Auftrag des Bundesforschungsministeriums untersucht Regina Ammicht Quinn ethische Fragen beim Einsatz von sogenannten Nacktscannern. Auf WELT ONLINE erklärt die Professorin, welche Personengruppen besonders diskriminiert werden und warum es brisant ist, wenn die Geräte Daten speichern.
Darf ein Kind in den Nacktscanner? In Großbritannien offenbar nicht - weil die Ablichtung Minderjähriger laut Kinderschützern Gesetze verletzt. Auch die neueste Gerätegeneration, die nur Silhouetten zeigt, steht in der Kritik: Der oberste deutsche Datenschützer bemängelt, dass sie Prothesen nicht von Waffen unterscheiden.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar bleibt in der Nacktscanner-Debatte skeptisch. “Ich habe bisher noch kein Gerät gesehen, das die Persönlichkeitsrechte wahrt”, sagte Schaar. “Allein die Neuerung, dass auf den Monitoren keine Nacktbilder mehr zu sehen sind, reicht nicht aus.”
Deutschland hat bei der EU-Kommission bislang keinen Antrag für den Test von Nacktscannern an Flughäfen gestellt. Derzeit testet die Bundespolizei die Geräte im Labor. Erste Ergebnisse sollen Mitte des Jahres vorliegen. Dann kann eine Entscheidung über einen weiteren Einsatz an Flughäfen getroffen werden.
Fluggäste in den USA müssen sich ab sofort auf deutlich schärfere Kontrollen einstellen: Mit Nacktscannern und Leibesvisitationen reagieren die Sicherheitsbehörden auf das vereitelte Attentat in Detroit. Besonders im Visier der Kontrolleure: Reisende aus 14 Ländern. In Newark kam es zu einer Panne.
Die Nacktscanner können nicht verhindern, dass sich Terroristen neue Wege suchen, um Anschlagspläne zu verwirklichen. Erfolgsversprechender scheint da das israelische Sicherheitskonzept. Bomben finden sich vor allem, wenn Passagiere genau beobachtet und über Herkunft und Reisepläne befragt werden.
Plötzlich kann es mit der Einführung der Nacktscanner nicht schnell genug gehen. Die schwarz-gelbe Koalition würde die Geräte am liebsten noch in diesem Jahr flächendeckend einsetzen. Englische Experten winken ab: den nigerianischen Flugzeugbomber hätten auch die Scanner nicht entdeckt.
Großbritannien rüstet seine Flughäfen zukünftig mit Nacktscannern aus. Das kündigte Premierminister Gordon Brown an. Erste Geräte hat die britische Flughafenbehörde bereits bestellt. In Deutschland müssen sich die Passagiere auch auf die umstrittenen Sicherheitseinrichtungen einstellen.